Die Langzeit-Auswirkungen von finanziellen Anreizen für Hausärzt*innen auf Qualitätsindikatoren in der Behandlung von Patient*innen mit Diabetes mellitus

Long-Term Effects of Financial Incentives for General Practitioners on Quality Indicators in the Treatment of Patients With Diabetes Mellitus in Primary Care—A Follow-Up Analysis of a Cluster Randomized Parallel Controlled Trial

Meier R, Chmiel C, Valeri F, Muheim L, Senn O, Rosemann T

Front Med (Lausanne). 2021;8:664510-664510.

Abstract

Hintergrund:

Die Auswirkungen von finanziellen Anreizen auf die Qualität der Grundversorgung sind von grossem Interesse, genauso wie ihre Nachhaltigkeit nach Aufhebung dieser Anreize. Die Studie untersuchte die Langzeit-Auswirkungen und die Nachhaltigkeit von finanziellen Anreizen für Hausärzt*innen in der Behandlung von Patient*innen mit Diabetes mellitus basierend auf Qualitätsindikatoren (QIs), welche aufgrund von elektronischen medizinischen Routinedaten errechnet wurden.

Methoden:

Randomisierte kontrollierte Studie basierend auf Daten von Patient*innen mit Diabetes mellitus aus einer Datenbank mit elektronischen medizinischen Routinedaten von Schweizer Hausärzt*innen (FIRE). Während der Studienzeit von 24 Monaten, erhielten die teilnehmenden Hausärzt*innen alle zwei Monate einen Feedback-Report. In der Interventionsgruppe wurde der Feedback-Report zusätzlich mit finanziellen Anreizen für eine Verbesserung der Versorgungsqualität kombiniert. Die finanziellen Anreize wurden nach 12 Monaten wieder aufgehoben. Untersucht wurde der Anteil der Patient*innen, welche den prozessbasierten QI (jährliche HbA1C-Messung) und den klinischen QI (Blutdruckwert unter 140/85 mmHg) erreichten.

Ergebnisse:

Insgesamt wurden 71 Hausärzt*innen aus 43 verschiedenen Praxen und folglich 3'854 ihrer Patient*innen mit Diabetes mellitus eingeschlossen. Während der Studie blieb der Anteil der Patient*innen mit jährlichen HbA1c-Messungen in der Interventionsgruppe stabil (78.8–78.9%) und verminderte sich leicht in der Kontrollgruppe (81.5–80.2%) [OR: 1.21, 95%-CI: 1.04–1.42, p < 0.05]. Der Anteil von Patient*innen mit einem Blutdruckwert unter 140/85 mmHg verminderte sich in der Kontrollgruppe (51.2–47.2%) und erhöhte sich in der Interventionsgruppe (49.7–51.9%) [OR: 1.18, 95%-CI: 1.04–1.32, p < 0.05], wo es nach 18 Monaten mit 54.9% seinen Höchstwert erreichte und in den letzten 6 Monaten wieder stetig abnahm.

Schlussfolgerung:

Bei Aufhebung finanzieller Anreize für Hausärzt*innen nach den ersten 12 Monaten verbesserten sich gewisse QIs weiter, was darauf deuten würde, dass der Beobachtungszeitraum von einem Jahr zu kurz ist, um die vollen Auswirkungen solcher Interventionen aufzuzeigen. Die Abnahme der Erfüllungsrate der QIs nach 18 Monaten deutet darauf hin, dass die positiven Auswirkungen von zeitlich befristeten finanziellen Anreizen letztendlich schwinden.