Blutdrucktherapie in der Schweizer Hausarztpraxis

The impact of an individualized risk-adjusted approach on hypertension treatment in primary care

Stefan Zechmann, Oliver Senn, Fabio Valeri, Stefan Neuner-Jehle, Thomas Rosemann, Sima Djalali and the FIRE study group

The Journal of Clinical Hypertension 2017;00:1-9. doi: 10.1111/jch.12958

In dieser Studie, basierend auf medizinschen Routinedaten aus der FIRE-Datenbank, wurde anhand zweier Herangehensweisen untersucht wie leitliniengerecht die Blutdrucktherapie dieser hausärztlich betreuten Patienten ist.

 

Abstract

Hintergrund:

Bisherige Studien welche die Angemessenheit der Blutdrucktherapie untersuchten fanden bei bis zu 60% der Patienten eine nicht leitliniengerechte Therapie. Die aktuell in der Schweiz und Europa gültigen 2013 ESH/ESC Leitlinien empfehlen neben Blutdruckwerten auch Risikofaktoren in den Therapieentscheid miteinzubeziehen. Die Hypothese dieser Studie war, dass diese Herangehensweise die Anzahl der nicht leitliniengerecht behandelten Patienten deutlich reduzieren würde.

Methoden:

In dieser Querschnittsstudie nützen wir die strukturierten Einträge der elektronischen Krankengeschichte von Schweizer Hausarztpraxen, die am Forschungsnetzwerk FIRE (Familiy medicine ICPC-Research using Electronic medical records) teilnahmen, und untersuchten den Anteil der nicht leitliniengerecht behandelten Patienten anhand von zwei Herangehensweisen: 1. Einzig basierend auf der Blutdruckgrenze von 140/90mmHg (Blutdruckgrenzen-basiert) 2. Miteinbezug der kardiovaskulären Risikofaktoren (Risikofaktor-basiert).

Ergebnisse:

Insgesamt wurden 22.434 Patienten mit Hypertonie eingeschlossen. Je nach Herangehensweise empfahlen die Leitlinien bei 72.7% (Blutdruckgrenzen-basiert) bzw. 44.6% (Risikofaktor-basiert) aller Patienten eine medikamentöse Therapie durchzuführen. 23% bzw. 10.8% der Patienten erhielten entsprechend diesen Empfehlungen eine nicht leitliniengerechte Therapie.

Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Anwendung der 2013 ESH/ESC Leitlinien im hausärztlichen Umfeld zu einer über 50% Reduktion des Anteils an Patienten führte, die nicht leitliniengerecht behandelt wurden. Dies zeigt einerseits den grossen Einfluss einer risiko-adaptieren Herangehensweise und unterstreicht andrerseits eindrücklich den Bedarf einer patienten-zentrierten individualisierten Herangehensweise bei der Therapie der Hypertonie.