Prostatakrebs Screening in der Schweizer Hausarztpraxis

Zechmann S, Di Gangi S, Kaplan V, Meier R, Rosemann T, Valeri F, Senn O; FIRE Study Group. PLoS One. 2019 Jun 13;14(6):e0217879. doi: 10.1371/journal.pone.0217879.

Abstract

Hintergrund:

Nach Jahren der Kontroverse über die Früherkennung von Prostatakrebs unter Verwendung des prostataspezifischen Antigens (PSA), deutet die Evidenz nun immer mehr in Richtung einer zurückhaltenden und vor allem auf eine präferenzbasierte Anwendung hin. Diese Studie untersuchte den möglichen Einfluss von wichtigen Studien und Empfehlung auf das Screening Verhalten von Schweizer Hausärzten.

Methoden:

Wir führten eine retrospektive Analyse basierend auf FIRE-Daten von 2010-2017 durch. Der Studienzeitraum wurde anhand wichtiger Studien und Empfehlungen, in drei Zeitperioden unterteilt: erste Periode: 2010 bis Mitte 2012 mit zwei wichtigen Updates; zweite Periode: Mitte 2012 bis Mitte 2014, in dieser Zeit wurden Empfehlungen des Swiss Medical Board (SMB) und der United States Preventive Services Task Force Recommendation publiziert; dritte Periode: Mitte 2014 bis Mitte 2017, diese Periode diente primär der Verlaufsbeobachtung. Patienten mit einem Alter zwischen 55 und 75 und mit mindestens drei Monaten Beobachtungszeit wurden eingeschlossen. Ausschlusskriterien waren eine Prostatahyperplasie oder Karzinom, Harnwegsinfekte oder die Einnahme von urologischen Medikamenten. Es wurde der Einfluss des Patientenalters, die Anzahl der PSA Tests pro Patient und Zeitperiode sowie der durchschnittliche PSA-Wert untersucht.

Resultate:

36’800 Männer wurden eingeschlossen. 14.6% hatten mehr als 2 chronische Erkrankungen, 11.7% hatten mehr als ein PSA Test. Der durchschnittliche PSA-Wert war 2.60 ng/ml (SD 12.3). Insgesamt standen 113’921 Patientenjahre zur Analyse zu Verfügung. Die Patientendaten stammten von insgesamt 221 Hausärzten. 33.5% der Hausärzte waren weiblich, das durchschnittliche Alter war 49.4 Jahre (SD 10.0). 67.9% aller Hausärzte verwendeten PSA Tests. Die adjustierte Inzidenzraten-Ratio fiel über die Perioden signifikant ab. Referenzperiode 2: Inzidenzraten-Ratio 1.00; Periode 1: Inzidenzraten-Ratio 1.74 (1.59-1.90); Periode 3: Inzidenzraten-Ratio 0.61 (0.56-0.67). Patienten mit einer grösseren Anzahl chronischen Erkrankungen und einem Alter zwischen 60 und 69 Jahren wurden signifikant häufiger getestet. Unabhängig davon war eine erhöhte Anzahl an PSA Tests und erhöhtes Alter mit erhöhten PSA Werten assoziiert.

Schlussfolgerung:

Die Schweizer Hausärzte passten ihr Prostatakrebs Screening Verhalten mittels PSA direkt nach der Publikation der beiden grössten Studien (welche im Jahr 2009 publiziert wurden) an und reduzierten ihr PSA-Screening Verhalten. Weitere Studien und Empfehlungen halfen möglicherweise dabei diesen Rückgang an PSA Tests aufrecht zu erhalten. Zukünftige Empfehlungen und Kampanien sollten vor allem auf ältere, multimorbide Patienten zugeschnitten sein, um eine weitere Reduktion des PSA Screenings in der Praxis zu erreichen.

 

Die Studie ist unter folgendem Link frei zugänglich:

http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0217879