Intravenöse Eisensupplementation in der Schweizer Hausarztpraxis

Indications and associated factors for prescribing intravenous iron supplementation in Swiss general practice: a retrospective observational study

Meier Rahel, Keizer Ellen, Rosemann Thomas, Markun Stefan; Swiss Med Wkly. 2019;149:w20127. doi: 10.4414/smw.2019.20127

 

Abstract

Hintergrund:

Intravenöse Eisensupplementation (IVIS) nimmt in der Schweizer Allgemeinmedizin zu. Das ist wegen höherer Kosten und Risiken im Vergleich zu oralen Eisensupplementierung (OIS) umstritten. In dieser Studie wollten wir die Indikationen für OIS und IVIS in der Schweizer Allgemeinmedizin untersuchen und testen, welche Faktoren mit der Verschreibung von IVIS anstelle von OIS assoziiert sind.

Methoden:

Dies war eine retrospektive Beobachtungsstudie mit Daten basierend auf elektronischen Patientenakten von 279 Schweizer Hausärzten, darunter alle ihre Patienten bei der ersten OIS- und IVIS-Verabreichung, die mindestens 14 Jahre alt waren und über eine verfügbare Messung von Serumferritin und Hämoglobin verfügen. Zusätzlich haben wir Daten über folgende Komorbiditäten erfasst: chronische Nierenerkrankung (CKD) Stadium 3b oder höher, entzündliche Darmerkrankung (IBD), chronische Herzinsuffizienz und Restless-Legs-Syndrom. Die Ergebnisse waren Proportionen der mit IVIS oder OIS behandelten Fälle mit vermuteter Indikation (anämisches oder nicht anämisches Eisenmangel [NAID]) oder den oben genannten Komorbiditäten. Wir evaluierten die Assoziationen mit IVIS Verschreibungen anhand von Regressionsmodellen und adjustierten für Patienten- und Arzt-Charakteristika.

Resultate:

Wir bewerteten 1282 IVIS und 3003 OIS-Fälle (Median 44 und 40 Jahre, Frauen in 86,7 bzw. 88,6%). Die wichtigste Indikation für IVIS und OIS war NAID (59,4 bzw. 74,7%). Signifikant assoziiert mit der Verschreibung von IVIS anstelle von OIS waren die Schwere des Eisenmangels (was sich in Serum-Ferritinwerten und dem Vorhandensein von Anämie widerspiegelt), das Vorhandensein von fortgeschrittener CKD, IBD und männlichem Geschlecht des Hausarztes. Zudem gab es einen zeitlichen Trend zur Erhöhung des Serum-Ferritinspiegels im Zusammenhang mit der Einführung von IVIS in NAID.

Schlussfolgerung:

Wenn IVIS der OIS vorgezogen wird, scheinen die Schweizer Hausärzte die Schwere des Eisenmangels und die Komorbiditäten zu berücksichtigen. Allerdings steigen die Serum-Ferritinspiegel bei intravenösen NAID Behandlung an, was auf eine anhaltende Indikationserweiterung und einen möglichen übermässigen Gebrauch hindeutet.

Die Studie ist unter folgendem Link frei zugänglich:

https://smw.ch/article/doi/smw.2019.20127