Wie viele Konsultationen macht ein Hausarzt pro Tag?

General practitioners’ consultation counts and associated factors in Swiss primary care – a retrospective observational study

Yael Rachamin, Rahel Meier, Thomas Grischott, Thomas Rosemann, Stefan Markun

PLoS ONE 14(12): e0227280. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0227280

Abstract

Hintergrund:

Die Datenlage zur Arbeitsbelastung einzelner Hausärzte, z.B. im Sinne von Konsultationszahlen, ist spärlich. Genaue Messungen sind wünschenswert, da die Anzahl der Konsultationen mit der Arbeitszufriedenheit der Hausärzte zusammenhängen könnte. Darüber hinaus ist es angesichts der aktuellen Trends in der Hausarztmedizin, wie z.B. dem steigenden Anteil weiblicher Hausärzte, Teilzeitarbeit und Gruppenpraxen, von entscheidender Bedeutung, den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Konsultationen und den Eigenschaften des Hausarztes zu verstehen. Ziel dieser Studie war es deshalb, die Anzahl Konsultationen und Effizienz von Hausärzten zu beschreiben und Assoziationen mit Hausarzt- und Praxisvariablen zu untersuchen.

Methoden:

In dieser retrospektiven Beobachtungsstudie verwendeten wir Routinedaten in elektronischen Krankenakten von 245 Schweizer Hausärzten im Jahr 2018. Wir beschrieben die täglichen Konsultationszahlen der Hausärzte sowie deren Effizienz (d.h. die Gesamtzahl der Konsultationszahlen bereinigt um Teilzeitarbeit) und verwendeten hierarchische lineare Modelle, um Assoziationen der Gesamtzahl der Konsultationszahlen der Hausärzte im Jahr 2018 mit Variablen auf Hausarzt- und Praxisebene zu finden.

Resultate:

Die mediane Zahl der täglichen Konsultationen betrug 28 über alle Hausärzte und 33 für vollzeitbeschäftigte Hausärzte. Die Gesamtzahl der Konsultationen nahm nicht-linear mit dem Teilzeitstatus zu, wobei stark teilzeitbeschäftigte Hausärzte (60%-90% der Vollzeitbeschäftigten) gleich oder effizienter waren als Vollzeitbeschäftigte. Die Nichtberücksichtigung des Teilzeitstatus in der Regression führte zu höheren Konsultationszahlen bei männlichen Hausärzten, die in Einzelpraxen und mit älteren Patienten arbeiten, während die teilzeitbereinigten Konsultationszahlen nicht vom Geschlecht des Hausarztes und der Art der Praxis beeinflusst wurden.

Schlussfolgerung:

Weibliches Geschlecht, Teilzeitarbeit in Höhe von 60-90 % der Vollzeitbeschäftigung und die Arbeit in Gruppenpraxen wirken sich nicht negativ auf die Effizienz des Hausarztes aus. Die Herausforderung, eine ausreichende Zahl von Hausärzten zu rekrutieren, bleibt jedoch bestehen.