Gicht in der Schweizer Hausarztmedizin

Gout management in Swiss primary care – a retrospective observational study

Meier Rahel, Di Gangi Stefania, Valeri Fabio, Rosemann Thomas, Zechmann Stefan

Swiss Med Wkly. 2020;150:w20209 https://doi.org/10.4414/smw.2020.20209

Abstract

Hintergrund:

Gicht ist die häufigste Form der entzündlichen Arthritis weltweit und ihre Verbreitung nimmt zu. In der Schweiz liegen keine Daten über die Merkmale und die Behandlung von Gichtpatienten vor. In dieser Studie wollten wir daher die Anzahl der von Gicht und Hyperurikämie betroffenen Patienten beschreiben und Ansätze analysieren, die Schweizer Hausärzte/-innen für die Behandlung verwenden.

Methoden:

Es handelte sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie unter Verwendung elektronischer medizinischer Routinedaten aus der FIRE-Datenbank, die von 242 Schweizer Hausärzte/-innen zur Verfügung gestellt wurden. In die Studie wurden alle ihre Patienten welche entweder eine harnsäuresenkende Medikation, einen Diagnose-Code für Gicht oder eine Harnsäuremessung hatten eingeschlossen. Die Patienten wurden nach ihrem Krankheitsstatus in vier Untergruppen (normales Harnsäurelevel, Hyperurikämie, unbehandelt Gicht, behandelte Gicht) klassifiziert. Zur Analyse der Behandlung wurden Patienten mit einer Harnsäuremessung vor und nach der Behandlungsinitiierung analysiert.

Resultate:

Wir untersuchten 15808 Patienten und klassifizierten sie in die vier Untergruppen. Daraus ergab sich eine Prävalenz von 1,0% für die Gicht und 1,2% für Hyperurikämie. 2642 Patienten wurden mit Gicht diagnostiziert, von denen erhielten 2420 (91,6%) eine harnsäuresenkende Medikation. Insgesamt 41,3% der Patienten mit einer Gichtbehandlung hatten mindestens eine Harnsäuremessung; 15,0% der Patienten mit behandelter Gicht hatten vor und nach der Behandlungsinitiierung eine Harnsäuremessung und 57,5% der Patienten erreichten das Behandlungsziel von <360 μmol/l nach einer Behandlung mit Allopurinol.

Schlussfolgerung:

Schweizer Gichtpatienten erhielten umfassende Behandlung, was sich in einer hohen Zahl von Patienten widerspiegelt welche harnsäuresenkende Medikation und Labortests erhielten, sowie einer hohen Behandlungserfolgsrate. Und dies, obwohl es in der Schweiz keine systematischen Behandlungsansätze für Gicht gibt.