Diabetesversorgungsqualität und assoziierte Faktoren

Quality performance and associated factors in Swiss diabetes care – A cross-sectional study

Rahel Meier, Fabio Valeri, Oliver Senn, Thomas Rosemann, Corinne Chmiel

PLoS ONE 15(5): e0232686. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0232686

 

Abstract

Hintergrund:

Qualitätsindikatoren zielen auf die Verbesserung von Prozessen und Ergebnissen in der klinischen Praxis. Allerdings beeinflussen diverse Variablen das Niveau welches erreicht wird bei den Qualitätsindikatoren. In der Schweiz gibt es keine Daten dazu und die Verwendung von Qualitätsindikatoren war bisher marginal. Das Ziel dieser Studie war es, anhand von Indikatoren die Qualität in der Diabetesversorgung in der schweizerischen Primärversorgung zu beschreiben und Assoziationen mit Praxis-, Hausarzt- und Patienten-Variablen zu analysieren.

Methoden:

Für diese Querschnittsstudie haben wir medizinische Routinedaten aus FIRE verwendet. Einbezogen wurden Daten von 71 Hausärzten/-innen und allen ihren Patienten/-innen mit Diabetes. Beginnend im Juli 2018, stellten wir 12-monatige retrospektive Daten über Praxis-, Hausarzt- und Patientencharakteristika, Laborwerte, Komorbiditäten und Komedikation zusammen. Auf der Grundlage dieser Daten bewerteten wir die Leistung anhand Qualitätsindikatoren für Prozess- und klinische Outcomes für glykiertes Hämoglobin, Blutdruck, Cholesterin und analysierten den Zusammenhang mit Praxis-, Hausarzt- und Patientencharakteristika. Anhand Regressionsmodellen haben wir Odds Ratios (OR) und 95% Konfidenzintervalle (CI) berechnet.

Resultate:

Wir untersuchten 3383 Patienten mit Diabetes (57% männlich, Durchschnittsalter 68,3 Jahre). Im Durchschnitt erfüllten die Patienten 3,56 (Standardabweichung: 1,89) Qualitätsindikatoren, während 17,2% der Patienten alle sechs Qualitätsindikatoren erfüllten. Auf Praxis- und Hausarzt-Ebene fanden wir keine Assoziationen mit den Qualitätsindikatoren. Auf Patientenebene waren das Geschlecht des Patienten/-innen (ref = männlich) (OR: 0,83, CI: 0,78-0,88), die Anzahl der behandelnden Hausärzte/-innen (OR: 0,94, CI: 0,91-0,97), die Anzahl der Komorbiditäten (OR: 1,43, CI: 1,38-1,47) und die Anzahl der Konsultationen (OR: 1,02, CI: 1,02-1,02) mit den Qualitätsindikatoren assoziiert.

Schlussfolgerung:

Der Einfluss von Praxis-, Hausarzt- und Patientencharakteristika auf den Qualitätsindikator die Leistung war überraschend gering. Jedoch kann in der Schweizer Diabetesversorgung die Versorgungsqualität gemessen an Qualitätsindikatoren nach wie vor verbessert werden.