Zeitliche Trends und Variabilität der Laboranalytik in der Hausarztmedizin

Lisa Daniëlle Schumacher, Levy Jäger, Rahel Meier, Yael Rachamin, Oliver Senn, Thomas Rosemann, Stefan Markun

J. Clin. Med. 2020 Jun 8;9(6):E1787. https://doi.org/10.3390/jcm9061787

Abstract

Hintergrund:

Labortests gehören zu den am häufigsten eingesetzten diagnostischen Verfahren in der Hausarztmedizin, dennoch sind zeitliche Entwicklungen sowie die Variabilität ihres Gebrauchs wenig erforscht. Ziel dieser Studie war daher die Analyse der Verordnungsfrequenzen von Laboranalysen in der Schweizer Hausarztmedizin.

Methoden:

In dieser retrospektiven longitudinalen Beobachtungsstudie analysierten wir über 6 Millionen Konsultationen von 574,803 Patienten und 389 Schweizer Hausärztinnen und Hausärzten der FIRE-Datenbank in den Jahren 2009-2018. Wir definierten spezifische Verordnungsfrequenzen auf Ebene einzelner Konsultationen für die 15 am häufigsten registrierten Labortests und modellierten deren für Patientenalter und -geschlecht adjustierte zeitliche Trends mittels hierarchischer logistischer Regression. Die Variabilität von Verordnungsfrequenzen auf Hausarzt-Ebene wurde durch die Angabe von Intraklasskorrelationen (ICC) für diese 15 Labortests quantifiziert.

Resultate:

Neun der 15 untersuchen Labortests zeigten einen signifikanten zeitlichen Anstieg über die Beobachtungsperiode, am stärksten ausgeprägt für Vitamin D (Zehn-Jahres-Odds-Ratio (OR) 1.87, 95% Konfidenzintervall (CI) 1.82-1.92), glykiertes Hämoglobin (Zehn-Jahres-OR 1.87, 95% CI 1.82-1.92) und C-reaktives Protein (Zehn-Jahres-OR 1.55, 95% CI 1.52-1.58). Die höchste Variabilität auf Hausarzt-Ebene wurde für Plasmaglukose (ICC 0.231), C-reaktives Protein (ICC 0.202) und Vitamin B12 (0.166) ermittelt.

Schlussfolgerung:

Die nachgewiesenen zeitlichen Zunahmen und vergleichsweise hohen Variabilitätsmasse zeigen Inkonsistenz bezüglich der Verordnung einzelner Labortests in der Hausarztmedizin auf, was insbesondere auf potentiellen Übergebrauch hinweisen könnte. Unsere Ergebnisse stellen damit eine Grundlage für Initiativen zum besseren Verständnis und schliesslich zur Verringerung unverhältnismässiger Variabilität der Laboranalytik in der Hausarztmedizin dar.