Multimorbidität in Abhängigkeit vom Alter und Geschlecht

Rizza A, Kaplan V, Senn O, Rosemann T, Bhend H, Tandjung R, on behalf of the FIRE study group BMC Family Practice 2012, 13:113.

In dieser Publikation wurde erstmals untersucht, wie das Alter und das Geschlecht verbunden mit der Prävalenz multimorbider Erkrankungen in FIRE abgebildet sind.

Abstract

Hintergrund:

Ärzte in der Hausarztmedizin umsorgen häufig multimorbide Patienten. Neueste Studien legen nahe, dass multimorbide Zustände häufiger vorkommen als Einzelerkrankungen. In dieser Studie untersuchten wir, ob die Prävalenz multimorbider Erkrankungen abhängig vom Alter und Geschlecht ist und verglichen die Kosten bei multimorbiden Erkrankungen mit den Kosten bei anderen häufigen Einzelerkrankungen.

Methoden:

Wir analysierten Daten aus der FIRE-Datenbank aus dem Zeitraum von Januar 2009 bis Juli 2011. Dies entsprach den Daten von 509‘656 Konsultationen von 98‘152 erwachsenen Patienten. Multimorbide Zustände wurden definiert als entweder a) das gleichzeitige Vorkommen von mindestens zwei chronischen Erkrankungen (klassifiziert mit ICPC-2-Codierung), oder b) das gleichzeitige Vorkommen von zwei Diagnosen aus unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten. Wir verglichen die Prävalenzschätzungen, die mit diesen Definitionen von Multimorbidität zustande kamen.

Ergebnisse:

Die Prävalenzschätzungen waren vergleichbar, egal welche Definition von Multimorbidität gewählt wurde (13─15%). Damit war die Prävalenz höher als die Prävalenz der häufigsten chronischen Einzelerkrankungen Hypertonie (9%), Rückenschmerzen (6%), Typ-2-Diabetes (3%) und degenerative Gelenkerkrankungen (3%). Die Prävalenz der Multimorbidität stieg im Alter um den Faktor 20 an, von 2% bei den 20─29-Jährigen auf 38% bei den ≥80-Jährigen. Die Prävalenzraten bei Männern und Frauen unterschieden sich nicht signifikant (15% vs. 14%, p=0.0288).

Schlussfolgerung:

In der Hausarztpraxis sind multimorbide Krankheitskonstellationen häufiger anzutreffen als chronische Einzelerkrankungen. Dies gilt besonders bei älteren Patienten, wo mehr als einer von drei Patienten betroffen ist. Das Management dieser multimorbiden Krankheitskonstellation sollte ein vordringliches Anliegen sein.