Qualitätsindikatoren für die Diabetesversorgung

Swiss Quality and Outcomes Framework (SQOF): Quality indicators for diabetes management in Swiss primary care based on electronic medical records.

Djalali S, Frei A, Tandjung R, Baltensperger A, Rosemann T

Gerontology 2014; DOI 10.1159/000357370.

In dieser Studie wurde untersucht, ob medizinische Routinedaten aus elektronischen Krankengeschichten in Schweizer Hausarztpraxen eine ausreichende Datengrundlage darstellen, um die Qualität des Diabetesmanagements in der Grundversorgung abzubilden.

Abstract

Hintergrund:

Das Diabetesmanagement gehört zu den spezifisch hausärztlichen Versorgungsaufgaben, die sich stark strukturieren lassen. Dennoch weist die medizinische Versorgung dieser Patienten im Alltag häufig Diskrepanzen zu den verfügbaren evidenzbasierten Behandlungsleitlinien auf. In Grossbritannien wurde darum das Quality and Outcomes Framework (QOF) etabliert, ein staatliches Anreizprogramm zur Förderung regelmässig erbrachter evidenzbasierter Behandlungsprozesse in der Hausarztpraxis.

Methoden:

Wir extrahierten die strukturierten Einträge der elektronischen Krankengeschichte von Schweizer Hausarztpraxen, die am Forschungsnetzwerk FIRE (Family medicine ICPC-Research using Electronic medical records) teilnahmen und Diabetespatienten (Typ 1 und 2) behandelten. Die erhobenen medizinischen Routinedaten wurden mit den Qualitätsindikatoren des QOF beurteilt und die gemessene Behandlungsqualität mit den entsprechenden Ergebnissen von englischen Hausarztpraxen aus der Onlinedatenbank des National Health Service verglichen.

Ergebnisse:

Elf von 17 QOF-Indikatoren liessen sich auf das verfügbare Datenset aus Schweizer Hausarztpraxen anwenden. 46 Praxen mit 1’781 Diabetespatienten wurden in die Beurteilung eingeschlossen. Sie erfüllten das Indikatorenset durchschnittlich zu 46,9%. Am häufigsten wurde der Qualitätsindikator für regelmässige Blutdruckmessungen erfüllt (97,8% der Praxen), am seltensten der Qualitätsindikator für regelmässige Influenza-Impfungen (45,7%). Verglichen mit den Ergebnissen von 8‘245 Hausarztpraxen in England, erfüllten die Schweizer Hausarztpraxen alle Indikatoren in geringerem Grade und zeigten mehr Unterschiede zwischen den einzelnen Praxen sowie innerhalb einer Praxis mehr indikatorabhängige Schwankungen. Viele Praxen wiesen systematische Lücken bei der Dokumentation bestimmter klinischer Parameter auf.

Schlussfolgerung:

Unsere Ergebnisse zeigen, dass es zwar technisch möglich ist, klinische Routinedaten aus elektronischen Krankengeschichten heranzuziehen, um ein SQOF in der Diabetesversorgung zu etablieren. Ein hoher Anteil an systematischen Lücken in der hausärztlichen Datenerfassung machte es jedoch unmöglich, eine valide Beurteilung der tatsächlichen Versorgungsqualität vorzunehmen. Somit besteht weder eine verlässliche Basis für ein Monitoring der Versorgungsqualität noch für die Einführung Qualitätsindikatoren-gestützter Vergütungssysteme in der Grundversorgung. Vorderhand sollten die Softwares zur elektronischen Dokumentation der Krankengeschichte im deutschen Sprachraum angepasst und Standards zur elektronischen medizinischen Dokumentation etabliert werden.