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Fokus: Unkomplizierte Harnwegsinfektionen

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen sind nach Atemwegsinfektionen der zweithäufigste Grund für Antibiotikaverschreibungen in der ambulanten Medizin. Während sich frühere Antibiotic-Stewardship-Interventionen vor allem darauf konzentrierten, die Qualität der Antibiotikaverordnungen zu verbessern, etwa durch die Reduktion des Einsatzes von Chinolonen in der empirischen Therapie, rückt heute ein anderer Ansatz zunehmend in den Vordergrund.

Aktuelle Forschungs- und Interventionsprogramme zielen darauf ab, den Einsatz sogenannter antibiotikasparender Therapien zu fördern. Dabei steht der zurückhaltende Einsatz von Antibiotika im Mittelpunkt: Beschwerden werden zunächst primär symptomatisch, etwa mit Schmerzmitteln, behandelt. Nur wenn sich die Symptome nicht bessern oder verschlechtern, wird im weiteren Verlauf eine gezielte Antibiotikatherapie eingeleitet.

Diese Strategien sollen dazu beitragen, unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden, Resistenzentwicklungen einzudämmen und zugleich die Patientenzufriedenheit und Sicherheit zu gewährleisten.

Laufende Projekte

  • Treatment decisions in women with uncomplicated urinary tract infections in the perspective of interprofessional care: A mixed-methods study among patients and health care providers in Switzerland
    Obwohl antibiotikasparende Behandlungen, wie eine rein symptomatische Therapie oder eine verzögerte Antibiotikagabe, die Zahl unnötiger Verschreibungen deutlich senken können, werden sie in der Schweiz bislang nur selten umgesetzt. Das Projekt untersucht das Wissen, die Einstellungen und die aktuelle Praxis verschiedener Gesundheitsfachpersonen (von Hausärztinnen und Hausärzten über Pflegefachpersonen bis zu Apothekerinnen und Apothekern) und ermittelt Barrieren und fördernde Faktoren, um den nachhaltigen Einsatz solcher Therapien in der ambulanten Versorgung zu stärken.
     
  • Defining the Uncomplicated Urinary Tract Infection: Variability Across Studies and Clinical Guidelines
    Unkomplizierte Harnwegsinfektionen werden in der wissenschaftlichen Literatur sehr unterschiedlich definiert, was die Vergleichbarkeit von Studien und die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis erschwert. Dieses Projekt untersucht systematisch, wie Studien zu antibiotikasparenden Therapien bei Frauen den Begriff des «unkomplizierten Harnwegsinfekts» definieren und welche Ein- und Ausschlusskriterien sie verwenden. Durch den Vergleich dieser Definitionen mit aktuellen Leitlinien (z. B. EAU, IDSA, NICE) sollen Inkonsistenzen aufgezeigt und Grundlagen für eine zukünftige Standardisierung geschaffen werden.

Abgeschlossene Projekte

  • Plate A. et al. (2020), Treatment of urinary tract infections in Swiss primary care: quality and determinants of antibiotic prescribing, BMC Fam Pract. 2020 Jul 1;21(1):125. Artikel
  • Plate A. et al. (2019),  Active surveillance of antibiotic resistance patterns in urinary tract infections in primary care in Switzerland, Infection. 2019 Dec;47(6):1027-1035. Artikel
  • Plate A. et al. (2025), Factors facilitating or hindering the use of antibiotic-sparing treatment strategies in women with uncomplicated urinary tract infections: a scoping review, Infection. 2025 Sep 10. Artikel