Fokus: Deprescribing bei Spitalaustritt und im Pflegezentrum
Deprescribing ist eine interprofessionelle Aufgabe, denn auf ihrem/seinem Pfad durch ihre/seine (chronische) Erkrankungen und die entsprechenden Versorgungsstationen begegnet die Patientin, der Patient vielen Fachpersonen. Dabei ergeben sich viele Gelegenheiten für eine kritische Durchsicht der aktuellen Medikation. Nebst des Hausarztpraxis-Teams sind weitere Berufsgruppen besonders prädestiniert, hier aktiv zu werden: Pharmazeutinnen und Pharmazeuten, als ausgebildete Fachpersonen für die Medikamentenwirkung und als Anlaufstationen für die Patientinnen und Patienten in der Apotheke; Pflegefachpersonen, die nahe an der Patientin, dem Patienten und deren/dessen Nebenwirkungen durch Polypharmazie sind; Spitalfachpersonen, welche während der Hospitalisation mehrfach einen kritischen Blick auf die Medikation werfen sollen (bei Eintritt, auf Visiten, bei Austritt).
Das Ziel einer Serie von Arbeiten rund um die Nationalfonds-finanzierte «Hospital Discharge Study» war, ein griffiges Instrument für den kritischen Übergang zwischen Entlassung aus dem Spital und ambulanter Weiterbetreuung zu entwickeln und auf Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit zu überprüfen (siehe unten unter «abgeschlossene Projekte»). Grundsätzlich finden die Spitalärztinnen und -ärzte das kritische Überprüfen der Medikation bei Austritt der Patientin, des Patienten zwar wichtig, eine Kommunikation darüber mit der nachbehandelnden Hausarztpraxis (die über den Versand des Kurz-Austrittsberichtes hinausgeht) findet aber kaum je statt. Nachbetreuende Spitäler wie zum Beispiel Rehabilitationskliniken leisten bezüglich Deprescribing wertvolle Arbeit.
Laufende Projekte
- Family caregivers’ and nurses’ attitudes towards collaborative medication optimisation of nursing home residents. A mixed-method study in Swiss nursing homes.
Ein weiteres Setting, in dem sich das kritische Überprüfen von Medikationslisten und das Deprescribing lohnen kann, ist das Pflegeheim. Auch hier ist die Versorgung der Bewohnenden eine interprofessionelle Angelegenheit, und dementsprechend auch das Deprescribing. Häufig sind nebst den Fachpersonen auch Familienmitglieder in die Betreuung mit eingebunden. Das Ziel dieses neuen Projektes ist, mit kollaborativen Methoden eine bedürfnisgerechte Anleitung für Pflegeheimbewohnende und ihr Betreuungsteam inklusive Angehörige zu entwickeln, wie ihre Medikation zusammen mit all den Beteiligten zu optimieren wäre.
Abgeschlossene Projekte
- Grischott T. et al. (2018), Improving inappropriate medication and information transfer at hospital discharge: study protocol for a cluster RCT, Implement Sci. 2018 Dec 27;13(1):155. Artikel
- Grischott T. et al. (2023), Medication Review and Enhanced Information Transfer at Discharge of Older Patients with Polypharmacy: a Cluster-Randomized Controlled Trial in Swiss Hospitals, J Gen Intern Med. 2023 Feb;38(3):610-618. Artikel
- Rachamin Y et al. (2021), Implementation of a complex intervention to improve hospital discharge: process evaluation of a cluster randomised controlled trial, BMJ Open. 2021 May 27;11(5):e049872. Artikel